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Deep Work statt Dauerunterbrechung

Strategien für echte Konzentration im Büroalltag

Konzentration ist wie ein Muskel

Sie braucht Übung – und die richtigen Bedingungen.

Wer sich wirklich fokussiert, tut etwas, das weit über reine Aufmerksamkeit hinausgeht. Ähnlich wie im Ballett oder beim Schwertkampf, bei denen absolute Körperbeherrschung, Präzision und innere Klarheit ineinandergreifen müssen. Das ist Achtsamkeit, eine geistige und körperliche Anwesenheit im Hier und Jetzt. Sie ist gerade das Gegenmodell zur zerstreuten Dauerverfügbarkeit.

Konzentration ist zur Währung geworden

Oder wie Cal Newport es nennt: Deep Work – jener Zustand ungestörter Arbeit, bei dem man ganz bei der Sache ist.

Der Wunsch nach Tiefe ist keine neumodische Arbeitsmethode, sondern eine Antwort auf den Reizüberfluss des Alltags: Das Smartphone – inzwischen Schaltzentrale für alles – ist ein weiterer wesentlicher Faktor, der unsere Aufmerksamkeit immer wieder ablenkt. Die Fähigkeit, fokussiert bei einer Sache zu bleiben, ist damit noch schwieriger geworden. Aber sie ist trainierbar.

1. Multitasking ist ein Mythos.

Gleichzeitig denken, schreiben, zoomen und chatten klingt effizient, ist aber in Wahrheit ein Konzentrationskiller – und ein direkter Weg in die Erschöpfung.

👉 Praktischer Tipp: Probiere die Pomodoro-Methode
Widme dich 25 Minuten mit voller Konzentration einem Thema, dann machst du 5 Minuten Pause – hier kannst du dann bewusst Mails, Slack oder Teams-Nachrichten checken.
Der Name Pomodoro stammt übrigens von der Küchenuhr, die Francesco Cirillo beim Testen der Methode verwendet hat. Mehr dazu hier.

👉 Status clever nutzen:
Stell in dieser Zeit deinen Teams-Präsenzstatus aktiv auf „Bitte nicht stören“ oder verwende passende Emojis oder Statuszeilen wie „Deep Work“ oder „Fokuszeit“. So wissen andere, dass du konzentriert arbeitest – ohne unhöflich zu wirken.

Auch Benachrichtigungen pausieren (z. B. mit Fokus-Modus am Handy oder im Betriebssystem) hilft enorm – und kostet keine 30 Sekunden.

2. Timing schlägt Motivation.

Konzentration funktioniert selten im Nachmittagstief. Wer seine eigenen Energiephasen kennt – und sich danach richtet – arbeitet präziser, schneller, klarer.

👉 Praktischer Tipp: Wenn du morgens besonders klar bist, blocke dir täglich einen festen „Deep Work“-Slot – keine Meetings, keine Mails, kein Chat. Nur du und deine Aufgabe.

3. Rituale sind nachhaltig.

Statt sich jeden Tag neu zu überwinden, helfen kleine Routinen. Konzentration entsteht nicht durch Druck, sondern durch Wiederholung – und durch gute Rahmenbedingungen.

👉 Praktischer Tipp: Starte deinen Fokus-Block immer mit demselben Song, einer Tasse Tee oder einer 3-Minuten-Schreibtisch-Aufräumrunde. Dein Gehirn erkennt das Signal – und schaltet in den Konzentrationsmodus.

Die Office-Ampel als wirksamer Hack: Klein, leuchtend, wirksam

Wie aber macht man konzentriertes Arbeiten im offenen Büro sichtbar – und verständlich?

Ich habe an meinem Bildschirm eine kleine Lampe montiert. Sie ist mit meinem Kalender verbunden, kann aber auch manuell gesteuert werden – und zeigt Kolleg:innen auf einen Blick, ob ich gerade ansprechbar bin oder lieber in Ruhe arbeiten möchte.

🟢 Grün heißt: Frag mich gern.
🔴 Rot signalisiert: Bitte gerade nicht.
🔵 Türkis ist mein Zwischenmodus – ich höre Musik, bin im Flow, ansprechbar, aber vielleicht nicht sofort reaktionsfähig. (Denn manchmal will man ja einfach nur kurz ungestört nachdenken – und trotzdem noch zum Kaffee eingeladen werden.)

Ein System, das selbsterklärend ist – und dann lautlos wirkt.
Seitdem ich es nutze, hat sich mein Zeitaufwand für viele Aufgaben deutlich reduziert.

Fazit: Keine Kopfsache, sondern immer eine Option

Fokus braucht Kontext – physisch wie kulturell. Gute Akustik, Licht, Rückzugsmöglichkeiten – aber auch gegenseitiges Verständnis für unterschiedliche Arbeitsweisen. Wer Räume für Fokus schafft, schafft auch Räume für Wirksamkeit, Selbststeuerung und echte Verantwortung.

Konzentration muss nicht immer sein. Aber sie muss möglich sein.

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Lektüretipp: Cal Newport – Konzentriert arbeiten

Attila Hollósy-Gecseg
setzt sich mit Begeisterung dafür ein, Arbeitswelten zu verbessern und Potenziale zu entfalten. Im Future Experience Forum gibt Attila Hollósy-Gecseg Impulse für People & Culture.