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Command, Control, Collapse?

Führung neu definieren – im Gespräch mit Lothar Wenzl

Als Gründer und Geschäftsführer von trainconsulting widmet sich der Unternehmensberater ganz dem Thema, andere dabei zu unterstützen, schöne und erfolgreiche Organisationen zu gestalten.

Verena Kroupa: Wenn du auf die letzten zehn Jahre zurückblickst: Was hat sich aus deiner Sicht im Verständnis von Führung und Leadership am stärksten verändert?

Lothar Wenzl: Neben vielen anderen Punkten ist für mich folgende Entwicklung vielleicht die augenscheinlichste: Das Bild, Mitarbeitende oder Menschen führen zu können, ist nicht mehr stimmig. Vielmehr geht es hin zum Gestalten von Beziehungen und Räumen, in denen dann das entstehen kann, was es braucht, um etwas Bestimmtes zu erreichen.

Kurz gefasst: Wir haben uns wegbewegt vom Entweder-Oder, von der vermeintlichen Eindeutigkeit, hin zum Sowohl-als-auch, zum Entscheiden und Gestalten unter Unsicherheit. 

„Wir haben uns wegbewegt vom Entweder-Oder,
von der vermeintlichen Eindeutigkeit,
hin zum Sowohl-als-auch, zum Entscheiden und Gestalten unter Unsicherheit.“

VK: Welche drei Herausforderungen sind deiner Meinung nach für Führungskräfte heute am größten?

LW: Ohne Reihung würde ich die folgenden drei nennen:

1. Sich im Tempo der Evolution dieser Welt selbst weiterzuentwickeln (oder zu müssen), also ein Growth Mindset zu kultivieren, um um in einem zunehmend komplexen und volatilen Umfeld wirksam bleiben zu können.

2. Leader brauchen die Fähigkeit, einen Unsicherheitsraum in sich selbst zu halten, damit Vertrauen entstehen kann – in sich selbst und dadurch auch für andere.

3. Die Notwendigkeit, aus allem, was ihnen begegnet, Sinn machen zu können, um ihren Handlungsspielraum zu behalten bzw. zu erweitern – vor allem, wenn sie nicht zustimmen oder Dinge gut finden. Entscheidend ist, den Kontext und die Intention zu verstehen, um nicht in Polarisierungen oder Trivialisierungen zu fallen. Wir nennen das Integrationsfähigkeit, die auch dabei hilft, Integrität zu wahren.

VK: Das klingt nach viel „innerer Arbeit“ für Führungskräfte.

LW: Absolut. Einen wichtigen Beitrag dazu kann die Bewusstseinsforschung leisten, denn sie unterstützt uns dabei, uns selbst und andere zu verstehen. Dadurch werden die Möglichkeiten dynamisiert, uns selbst schneller und tiefer zu entwickeln, unsere dunklen Seiten und unsere Stärken zu verstehen und damit Anker in unserem Autopiloten zu lösen. Daher sehe ich Bewusstseins-entwicklung eindeutig als zentrale Führungskompetenz.

VK: Welche drei persönlichen Empfehlungen würdest du jeder Führungsperson besonders ans Herz legen?

LW: Es gibt viele, aber drei der wichtigsten – auch um herauszufinden, ob man tatsächlich führen will und kann – sind für mich:

1. Erkenne dich selbst.

2. Finde heraus, was du in dieser Welt gestalten und verändern möchtest.

3. Kläre, welche Verantwortung du als Führungskraft tragen kannst (und willst!) – und welche nicht. Und: Was ist der nächste Entwicklungsschritt? (Das gilt übrigens für alle Führungskräfte, egal, wie lange sie schon im Geschäft sind. 😉)

Danke für das Gespräch!

Lothar Wenzl
ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung trainconsulting –
er berät Unternehmen zu den Schwerpunktthemen Führung, Change Management und Organisationsdesign.

Verena Kroupa
ist Kommunikationsexpertin mit einem langjährigen Background in den Creative Industries. Ihrer Leidenschaft für Storytelling geht sie sowohl im Future Experience Forum als auch bei PLANET architects nach.