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Brave New Work Spaces

Warum Arbeitsräume zum strategischen Faktor für Unternehmen werden

Statt über klassische Office-Typologien zu sprechen, ging es um einen Perspektivenwechsel: Im Fokus standen Prinzipien statt vorschneller Lösungen und die Frage, was gute Zusammenarbeit unter den Bedingungen von Unsicherheit, Fragmentierung und beschleunigtem Wandel tatsächlich unterstützt. In einem offenen, explorativen Setting wurde gemeinsam gebaut, diskutiert und hinterfragt – bewusst auch mit Raum für produktive Reibung.

Impulsgeber des Vormittags war Gerhard Abel, CEO von PLANET architects, der die Teilnehmenden auf eine Visionsreise jenseits gängiger Raumkonzepte mitnahm. Deutlich wurde dabei, dass Zusammenarbeit nicht allein durch Prozesse oder Tools entsteht, sondern durch Beziehung – und dass Räume Beziehungen maßgeblich beeinflussen können.

Ein zentrales Element des Workshops war das gemeinsame Prinzipienmobil. Das Bauen des Mobiles glich einem dreidimensionalen Philosophieren mit den Händen: Begriffe wie Werkstolz, Pretotyping oder Bukotsu zeigten einmal mehr, wie wichtig es ist, Dinge auch physisch entstehen zu lassen.

Im Anschluss an den Workshop sprachen wir mit Gerhard Abel darüber, warum Arbeitsräume zunehmend zum strategischen Erfolgsfaktor werden – und welchen konkreten Beitrag Architektur leisten kann.

Verena Kroupa: Gerhard, im Workshop wurden Arbeitsräume als eine Art Social Gym erlebbar. Was bedeutet dieses Bild für Unternehmen?

Gerhard Abel: Wenn wir Räume als soziale Trainingsfelder begreifen, übernehmen Unternehmen Verantwortung für weit mehr als Effizienz. Sie übernehmen Verantwortung für Beziehung, Vertrauen und die Qualität der Zusammenarbeit. Kultur entsteht nicht im Leitbild, sondern im gelebten Alltag – und dieser findet immer in Räumen statt. Räume können Offenheit fördern oder Rückzug ermöglichen, Dialog unterstützen oder Hierarchien aufzeigen, aber gleichzeitig auch entschärfen. Wer heute zukunftsfähig sein will, muss Orte schaffen, in denen Menschen sich sicher fühlen, einander zuhören und gemeinsam lernen können.

VK: Warum ist die bewusste Gestaltung von Begegnungsräumen gerade jetzt so entscheidend?

GA: Wir leben in einer Zeit des Hyperindividualismus. Technologisch sind wir so vernetzt wie nie zuvor, sozial erleben viele jedoch Isolation. Remote Work hat neue Freiheiten gebracht, aber auch etwas reduziert: die Qualität ungeplanter Begegnung. Vertrauen entsteht nicht primär in Videocalls, sondern durch Präsenz, durch Rituale, durch gemeinsam erlebte Situationen. Deshalb werden physische und hybride Räume heute umso mehr zu strategischen Orten. Unternehmen, die das verstehen, investieren nicht in Quadratmeter, sondern in Resilienz und Innovationsfähigkeit.

Wir leben in einer Zeit des Hyperindividualismus. Technologisch sind wir so vernetzt wie nie zuvor, sozial erleben viele jedoch Isolation.“

VK: Wie kann Office-Architektur hier entgegenwirken?

GA: Architektur schafft Rahmenbedingungen für Beziehungen. Sie beeinflusst maßgeblich, ob Menschen einander begegnen oder einander aus dem Weg gehen, und ob Austausch intuitiv stattfinden kann. Gutes Office Design schreibt kein Verhalten vor – es lädt ein. Die zentrale Haltung lautet: Möglichkeit statt Zwang.

Architektur schafft Rahmenbedingungen für Beziehungen.“

Das zeigt sich in Räumen, die Übergänge statt Barrieren schaffen, Aufenthaltsqualität bieten und klar zoniert sind. Solche Arbeitsumgebungen ermöglichen sowohl Konzentration als auch Dialog. Sie unterstützen Vertrauen und fördern Co-Kreation und – ohne sie zu erzwingen.

Gerhard Abel
ist Co-Founder von PLANET architects und Initiator des Future Experience Forums. Mit seinem Team bei PLANET gestaltet er innovative Arbeitswelten, die soziale Interaktion, Kollaboration, Produktivität und Menschlichkeit verbinden.

Verena Kroupa
ist Kommunikationsexpertin mit einem langjährigen Background in den Creative Industries. Ihrer Leidenschaft für Vernetzung und Storytelling geht sie sowohl bei PLANET architects als auch im Future Experience Forum nach.